Donnerstag, 31. März 2016

Als Fensterscheiben und Geschirr klirrten

     100 Jahre Meteorit von Treysa-Rommershausen – Besichtigung im Mineralogischen Museum der Philipps-Universität


Er ist der größte Meteorit, dessen Absturz in Deutschland bisher beobachtet wurde: der Meteorit von Treysa-Rommershausen. Am 3. April jährt sich sein Absturz zum hundertsten Mal.


Am 3. April 1916, genau 15.25 Uhr, beobachteten die Menschen in der Umgebung von Marburg bei strahlend-blauem Himmel mehrere Sekunden lang ein leuchtendes Objekt, das mit einem lang anhaltenden Donner und einer kilometerlangen Rauchfahne über ihre Köpfe raste und auf dem Boden Aufschlug. Im Kerngebiet des Aufschlages war die Schockwelle laut Augenzeugenberichten so stark, dass Fensterscheiben und Geschirr klirrten.

Marburger Meteorologe übernahm Erstauswertung

Der Marburger Meteorologe Alfred Wegener, der auch die Grundlage für das heutige Modell der Kontinentalplatten-Verschiebung legte, rekonstruierte das Ereignis später auf Grundlage der wissenschaftlichen Auswertung von Augenzeugen-Beobachtungen.
Wegener ermittelte den sogenannten „Hemmpunkt“, das ist der Punkt, an dem ein in die Erdatmosphäre eindringender Körper seine kosmische Geschwindigkeit verliert. Auch ermittelte er den möglichen Einschlagpunkt, die Zusammensetzung und Klassifizierung als Eisenmeteorit, das Gewicht des Meteoriten mit etwa 50 Kilogramm und die Einschlagtiefe bei rund 1.50 Meter.


Aus den Aussagen der Augenzeugen berechnete er zudem die Bahnlänge des Meteoriten mit 81 Kilometern und eine mittlere Geschwindigkeit von 19,8 Kilometern pro Sekunde.


Korrekte Klassifizierung Wegeners

Am 6. März 1917 meldete der Revierförster Huppmann der Philipps-Universität Marburg, dass er in der Dickhege im Rommershausener Interessentenwald nördlich von Treysa die vermutliche Einschlagstelle des Meteoriten entdeckt habe. Der Meteorit wurde auf Wunsch der Philipps-Universität von Huppmann aus rund 1.60 Meter Tiefe geborgen, also rund zehn Zentimeter mehr als von Wegener vorausgesagt.
Am 12. März 1917 bestätigten der Marburger Physiker Prof. Dr. Franz Richarz und der Geologe Prof. Dr. Emanuel Kayser, dass es sich bei dem Fundstück tatsächlich um den von Wegener prognostizierten Eisenmeteoriten handele.


Der Eisenmeteorit wog bei einem Durchmesser von 36 Zentimetern rund 63 Kilogramm.
Nach der Strukturklassifizierung gehört er zu den mittleren Oktaedriten, der häufigsten Gruppe von Nickel-Eisenmeteoriten.


Die Hauptmasse des Meteoriten ist im Mineralogischen Museum der Philipps-Universität Marburg zu besichtigen.    
Matthias Fejes PressestellePhilipps-Universität Marburg


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