Donnerstag, 19. Mai 2016

Mehr als 20 Jahre nach dem „Waldsterben“: Haben sich Wälder und Waldböden erholt?

     Ergebnisse der zweiten Bodenzustandserhebung vorgestellt

Wie ist der Zustand unserer Waldböden, wie hat er sich in den letzten 20 Jahren verändert und in welchen Zusammenhang steht er mit dem Kronenzustand oder der Waldernährung? Hat die Diskussion um den „Sauren Regen“ und das „Waldsterben“ etwas bewirkt? Antworten darauf gibt die bundesweite Bodenzustandserhebung im Wald, ein Gemeinschaftswerk des Bundes und der Länder, die vom Thünen-Institut für Waldökosysteme koordiniert wurde. Am 18./19. Mai 2016 haben die Experten wesentliche Ergebnisse auf einer Tagung in Berlin vorgestellt.


Basis für die Erhebung waren 1.900 Untersuchungspunkte in ganz Deutschland. Es zeigte sich, dass sich die Umweltbedingungen seit der ersten Inventur in den 1990er Jahren deutlich geändert haben.



Die Stoffeinträge aus der Luft haben nachgelassen, eine Konsequenz aus den Luftreinhalte-maßnahmen, die im Zuge der Saure-Regen-Diskussionen beschlossen und umgesetzt wurden. Dadurch ist die Säurebelastung der Wälder deutlich geringer geworden. „Eine Herausforderung bleiben aber Stickstoffeinträge, die weiterhin hoch geblieben sind. Sie verändern die Artenzusammensetzung in Wäldern, häufig zu Lasten seltener Arten“, sagt Projektkoordinatorin Dr. Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut in Eberswalde. „Zusätzlich können sie zu Ungleichgewichten in der Nährstoffversorgung führen und den Boden weiter versauern.“ Die Waldernährung und die Bodenvegetation deuten auf eine Überversorgung mit Stickstoff hin. Die Speicherkapazität der Böden für Stickstoff scheint erreicht zu sein. Bleiben die Einträge weiterhin hoch, so besteht die Gefahr von unerwünschten Austrägen, zum Beispiel in Form von Nitrat, ins Sicker- und Grundwasser.


Viele Böden wurden aus Gründen des Bodenschutzes gekalkt. Die Folgen: Der Wald- bzw. Bodenzustand hat sich insgesamt verbessert. Die pH-Werte steigen langsam an und die Basenversorgung ist besser geworden. Dieser Erfolg sollte aber durch weitere Anstrengungen bei der Verminderung versauernder Stickstoffeinträge fortgeführt werden.


Der Eintrag von Schwermetallen aus der Luft hat zwischen den beiden Erhebungen abgenommen. Die jetzige Bodenzustandserhebung zeigt, dass lediglich die Konzentrationen von Blei und Arsen teilweise über dem Vorsorgewert liegen, sie sind jedoch relativ stabil im Mineralboden gebunden.


Der Umbau von Nadelwald-Reinbeständen zu Laub- und Mischbeständen in den letzten 20 Jahren hat insgesamt positive Wirkungen auf den Waldboden, da Laubwälder eine geringere Versauerung aufweisen und mehr organische Substanz und Kohlenstoff im Mineralboden binden. Dies ist besonders mit Blick auf den Klimawandel von Bedeutung: Mehr gebundener Kohlenstoff im Boden ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.


Die Ergebnisse der jetzigen Bodenzustandserhebung im Wald sind in einem fast 700-seitigen Bericht sowie zahlreiche Kartendarstellungen zusammengefasst. Der Berichtsentwurf steht auf der Webseite des Thünen-Instituts zum Download bereit (http://www.thuenen.de/de/wo/arbeitsbereiche/waldmonitoring/bodenzustandserhebung/). Der Endbericht wird in Kürze in der Schriftenreihe Thünen Report erscheinen und ist dann ebenfalls über die Thünen-Webseite abrufbar.


Dr. Michael Welling Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

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