Montag, 14. November 2016

Altbergbau: Ziel ist es, mehr in Risikomanagement und Prävention zu investieren

     Goslar. Was kommt, wenn der Bergmann geht? In Deutschland gibt es weit mehr als 100.000 bergbauliche Hinterlassenschaften, allein im Harz sind es 2700 alte Schächte und Stollen. Die Gefahren, die davon ausgehen, nehmen zu. Deshalb soll mehr in die Sicherung der Tagesöffnungen investiert werden. Darin waren sich die mehr als 400 Teilnehmenden des 16. Altbergbau-Kolloquiums, das bis zum 12. November in Goslar stattfindet, einig. Ausgerichtet wird diese größte Tagung ihrer Art in Mitteleuropa von der TU Clausthal.
„Die Energiewende in Deutschland, die weltweite Preisentwicklung für mineralische Rohstoffe, aber auch zunehmende umweltpolitische und rechtliche Auflagen führen hierzulande zur vermehrten Stilllegung bergbaulicher Betriebe. Damit rücken Fragen der Erkundung, Sicherung, Sanierung und Nachnutzung in den Vordergrund.“ Mit diesen Sätzen führte Professor Wolfgang Busch, Leiter des ausrichtenden Clausthaler Instituts für Geotechnik und Markscheidewesen, in die international besetzte Tagung ein. Vorsichtigen Schätzungen zufolge müssten in Deutschland jährlich 100 Millionen Euro für den Nachbergbau aufgewendet werden, um die Gefahren von Tagesbrüchen, Böschungsrutschungen sowie Kontaminationen zu reduzieren. Hier seien Behörden, Bergbaufolgeunternehmen, aber auch die Hochschulen in Bezug auf Forschung und Ausbildung in der Pflicht.


„Der Altbergbau ist keine Bürde, sondern auch eine Chance“, betonte Andreas Sikorski, Präsident des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie. Die Weichen müssten Richtung Prävention und einer verbesserten Datenlage gestellt werden, damit die Probleme künftig nicht größer würden, sondern beherrschbar bleiben. In punkto vorbeugende Maßnahmen und Gefahrenabwehr, räumte Sikorski in seinem Redebeitrag ein, „haben wir noch Luft nach oben“. Niedersachsenweit wird von rund 4500 Tagesöffnungen ausgegangen.


Je älter die Schächte werden, desto größer ist das Gefahrenpotenzial, das von ihnen droht, betonte Grünen-Politiker Dr. Reiner Priggen. Dem Landtagsmitglied in Nordrhein-Westfalen zufolge hat in dem Bundesland jede zweite Kommune mit bergbaulichen Relikten zu tun. „Der Altbergbau ist eine Aufgabe der Zukunft, die jetzt verstärkt mit dem Aufbau eines Risikomanagements für alte Schächte und Stollen angegangen werden muss“, so Priggen. Denn die Sicherung sei in der Regel günstiger als eine spätere Schadensbeseitigung, betonte Ulrich Kaiser aus dem Wirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen. Zugleich verwies er darauf, dass der Altbergbau auch ressourcenschonende Folgenutzungen für erneuerbare Energie ermögliche, etwa für Geothermie oder Pumpspeicherkraftwerke. Für solche Entwicklungen müssten auch entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten vorgehalten werden, so Kaiser.


Neben allgemeineren Vorträgen und einer Podiumsdiskussion standen während der Konferenz im Hotel und Tagungszentrum „Der Achtermann“ Fachthemen im Fokus. Zu Beginn des Kolloquiums hatte Professor Alfons Esderts, Vizepräsident der TU Clausthal für Forschung und Technologietransfer, die Dimension der Konferenz herausgestellt. „Dieses Kolloquium ist die wohl größte wissenschaftliche Veranstaltung unserer Universität in diesem Jahr.“ Mit der Tagung knüpfen die Harzer Wissenschaftler an die seit 2001 jährlich ausgerichteten Altbergbau-Kolloquien in Freiberg, Clausthal, Leoben, Aachen und Breslau an. Zielgruppe sind Markscheider, Geotechniker, Geowissenschaftler sowie Bergbau- und Bauingenieure aus Industrie, Behörden und Forschungseinrichtungen.    

Christian Ernst PressestelleTechnische Universität Clausthal



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