Montag, 13. Februar 2017

Ein frischer Blick auf die Evolution des Pferdes

     Veränderungen in der Umwelt und in Ökosystemen waren in den vergangenen 20 Millionen Jahren die treibende Kraft hinter der Evolution der Pferde. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie eines Paläontologenteams aus Spanien und Argentinien, u.a. Juan L. Cantalapietra, Humboldt Fellow am Museum für Naturkunde Berlin, die jetzt in Science veröffentlicht wird. Das Forscherteam untersuchte 140 Pferdearten, die größtenteils ausgestorben sind. Es fasste Jahrzehnte der Erforschung der fossilen Entwicklung dieser populären Säugetiergruppe zusammen.
Ihre Schlussfolgerungen stellen eine klassische Theorie in Frage, die den Evolutionserfolg der Pferde mit verschiedenen neuen Anpassungen an das Leben im offenen Grasland vor 18 Millionen Jahren in Verbindung bringt. „Nach dieser Theorie sollen sich Pferde in der Steppenumgebung schneller entwickelt haben. Sie entwickelten widerstandsfähigere Zähne, die sich bei dem überwiegenden Verzehr von Gras nicht so schnell abnutzten. Sie wurden auch größer, um dieses nahrungsarme Futter besser verwerten zu können. Außerdem bot die Größe Schutz vor Raubtieren in diesem neuen, offenen Lebensraum“, erläutert Juan L. Cantalapiedra, Forscher am Museum für Naturkunde in Berlin.

Bisher wurde angenommen, dass sich Zähne und Körpergröße in kurzer Zeit entwickelten. Neuen Ergebnissen zufolge könnten diese evolutionären Veränderungen mehr Zeit in Anspruch genommen haben als bisher angenommen. Cantalapiedra und seine Mitarbeiter konnten sogar zeigen, dass sich alle neu entwickelten Pferdearten ökologisch gesehen sehr ähnlich waren. Es sieht daher so aus, als wären die evolutionären Veränderungen nicht durch eine neue Vielfalt der ökologischen Rollen, sondern vielmehr durch eine zunehmende Vielgestaltigkeit der Umwelt zu erklären.


„Veränderungen in der Umwelt könnten ein Mosaik von zersplitterten Ökosystemen hervorgebracht haben, in denen verschiedene Pferdepopulationen mit ähnlichen Bedürfnissen und Anpassungen an die Umwelt sich isoliert voneinander entwickeln konnten. So könnten sich unterschiedliche Arten mit ähnlichem Aussehen entwickelt haben“, erklärt Manuel Hernández Fernández von der Universidad Complutense in Madrid. „Das war wahrscheinlich nur in Ökosystemen möglich, in denen viel Energie und Biomasse verfügbar war, sodass Arten, die einander sehr ähnlich waren und sonst stark miteinander konkurriert hätten, alle überleben konnten,“ fügt Jose Luis Prado von der Universidad del Centro de la Provincia de Buenos Aires hinzu.


Zweimal noch beschleunigte sich die Diversifizierung der Pferdearten, als nämlich der veränderte Meeresspiegel vor elf Millionen Jahren und dann noch einmal vor vier Millionen Jahren den Pferden ermöglichte, von Nordamerika nach Eurasien und Afrika hinüberzuwandern. Damals tauchten neue Arten tatsächlich ganz schnell auf, zeigten aber äußerlich keine dramatischen Veränderungen.

Originalpublikation:
J. L. Cantalapiedra, J. L. Prado, M. Hernández Fernández, M. T. Alberdi. Decoupled ecomorphological evolution and diversification in Neogene-Quaternary horses. Science.  

Dr. Gesine Steiner PressestelleMuseum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung


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